{"id":2199,"date":"2020-12-11T15:15:09","date_gmt":"2020-12-11T14:15:09","guid":{"rendered":"https:\/\/museum-nordenstadt.de\/?p=2199"},"modified":"2022-10-11T21:52:23","modified_gmt":"2022-10-11T19:52:23","slug":"historischer-ortsrundgang-in-nordenstadt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/museum-nordenstadt.de\/?p=2199","title":{"rendered":"Historischer Ortsrundgang in Nordenstadt"},"content":{"rendered":"\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Historische Werkstatt Nordenstadt e.V. (HWN) hatte in Zusammenarbeit mit dem Volksbildungswerk Nordenstadt-Erbenheim-Delkenheim e.V. (VBW) am Samstag, dem 3. Oktober 2020, zu einem historischen Ortsrundgang in Nordenstadt eingeladen. Nicht nur Wissen \u00fcber den alten Ort, sondern auch Hinweise \u00fcber die Entwicklung der Gemeinde Nordenstadt zum Stadtteil von Wiesbaden sollten angesprochen werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Vorsitzende der HWN Norbert Fischer begr\u00fc\u00dfte die Anwesenden und freute sich \u00fcber das rege Interesse an dieser Veranstaltung. Nicht alle Interessenten, die sich gemeldet hatten, konnten teilnehmen, so die Gesch\u00e4ftsf\u00fchrerin des VBW. Trotz des ungem\u00fctlichen Wetters waren aber alle angemeldeten erschienen. Gertrud Jensen von der HWN \u00fcbernahm dann die Erl\u00e4uterungen. Norbert Fischer oder das Ehrenmitglied der HWN Winfried M\u00fcller aber auch Werner Noll, Teilnehmer aber auch Ureinwohner, konnten immer wieder mit inhaltlichen, teils kuriosen Erg\u00e4nzungen die Historie lebendig machen. Mit einer Einleitung zeigte Gertrud Jensen auf, dass Nordenstadt im Jahr 950 erstmals urkundlich erw\u00e4hnt wurde, aber bereits vorher besiedelt war. \u201e1507 [hie\u00df es] &#8218;Nordenstadt ist ein redlich Dorf mit einem Graben und im Innern befestigt&#8216;. Entlang des Grabens pflanzte man Iffenb\u00e4ume (Flatterulmen).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nordenstadt hatte zwei Ortszug\u00e4nge, die Oberpforte im Norden (in der N\u00e4he der heutigen Oberpfortstra\u00dfe Ecke Stolberger Stra\u00dfe) und die Unterpforte im S\u00fcden (in der N\u00e4he des heutigen Horchembrunnens) sowie ein kleines Pf\u00f6rtlein im Westen Richtung Erbenheim. (aus: Nordenstadt von A bis Z) Nach dem 30j\u00e4hrigen Krieg war Nordenstadt fast v\u00f6llig zerst\u00f6rt und hatte nur noch 46 Einwohner. 1888 z\u00e4hlte der Ort 880 Einwohner, 1900 waren es bereits 1000.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Jahr 1946 wurde Nordenstadt ca. 400 Aussiedlern als Wohnort zugewiesen. Es waren Vertriebene aus dem Sudetenland und Ungarn, anders als die Nordenstadter Bev\u00f6lkerung meist katholischen Glaubens.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit der Ausweisung von Wohn- und Gewerbegebieten zu Beginn der 1970er Jahre wuchs die Einwohnerzahl schnell, erreichte aber bisher nie 8000 Einwohner (1. August 2020: 7811 Einwohner). Mit dem Hainweg wird sp\u00e4testens im n\u00e4chsten Jahr die 8000 Grenze \u00fcberschritten. In den 70\/80er Jahren hatte Nordenstadt eine relativ junge Bev\u00f6lkerungsstruktur. Inzwischen \u00fcberwiegt der Anteil der Generation 60 plus. Dies d\u00fcrfte sich mit den Neub\u00fcrgern und Neub\u00fcrgerinnen vom Hainweg sicher wieder \u00e4ndern.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nordenstadt geh\u00f6rte im Laufe seiner Geschichte unterschiedlichen Herrschaften an, Mainzer Kl\u00f6ster hatten hier Dom\u00e4nen. 1866 bis 1928 geh\u00f6rte Nordenstadt zum Landkreis Wiesbaden, danach bis Ende 1976 zum Main-Taunus-Kreis und ist seit dem 1. Januar 1977 Stadtteil von Wiesbaden. Gestartet wurde der Rundgang im Spritzenhaus beim Museum, wegen des Regens ein willkommener Unterstand. Dort wurde vom Kriegerdenkmal von 1870\/71 (1 Gefallener: August Schmidt) und von der Kaiserlinde, 1877 erstmals gepflanzt, gef\u00e4llt, 1897 neu gepflanzt (Gedenken an Kaiser Wilhelm I.) erz\u00e4hlt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bis 1855 fanden alle Bestattungen auf dem Friedhof bei der Kirche statt. Danach auf dem jetzigen Friedhof an der Oberpfortstra\u00dfe, der 1939 nochmals erweitert wurde.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der jetzige Bau der evangelischen Kirche wurde 1738 vollendet. Gleich nach dem 30j\u00e4hrigen Krieg hatte man eine Kirche gebaut, die schnell bauf\u00e4llig war und abgerissen werden musste. Das Kirchenschiff geh\u00f6rte der Evangelischen Kirche, der Chor dem Domkapitel, der Turm bis Anfang der 1980er Jahre der weltlichen Gemeinde (Wachfunktion). Von der Rechtsnachfolgerin, der Stadt Wiesbaden, wurde der Turm feierlich der Evangelischen Kirche \u00fcbergeben. Die Nordenstadter Katholiken feierten an unterschiedlichen Orten Gottesdienst. Erst 1965 wurde die Katholische Kirche \u201eChristk\u00f6nig\u201c in der Borkestra\u00dfe geweiht. Die Gemeinde geh\u00f6rt heute zur Gro\u00dfgemeinde St. Birgid in Bierstadt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Vom Inneren der Kirche ist vor allem die Orgel erw\u00e4hnenswert. Die alte Orgel aus Nordenstadt stammte von 1709 und ist aber seit 1886 in Wildsachsen (Prospekt dort noch zu sehen). Die heutige Orgel wurde 1885\/86 von Orgelbauer Voigt aus Igstadt gebaut. Sie hat Seltenheitswert, da aus Geschmacksgr\u00fcnden diese Orgeln sp\u00e4ter oft ausgetauscht wurden. Ihr Klang ist tiefer, dunkler als die sp\u00e4ter modern gewordenen Orgeln. Im Inneren auf der Empore sa\u00dfen fr\u00fcher die M\u00e4nner, im Schiff auf den &#8222;Weiberst\u00fchlen&#8220; die Frauen, die Kinder vorne. Auf dem Weg zum Pfarrhaus h\u00f6rte es auf zu regnen, so dass der Rundgang nicht im Eiltempo absolviert werden musste. Allerdings waren am Ende, als sich sogar die Sonne zeigte, einige schon etwas verfroren. Das Pfarrhaus steht auf einem Grundst\u00fcck (seit altersher ummauerter wohl im 30j\u00e4hrigen Krieg w\u00fcst gewordener Hofreiteplatz der Familie Greiffenclau), das immer reserviert worden war f\u00fcr die Erweiterung des Kirchhofs und den Neubau des Pfarrhauses. Pfarrer Stannarius 1777-1829 residierte in seinem Wohnhaus in der Heerstra\u00dfe 7, da das alte Pfarrhaus (Heerstr. 42) zu bauf\u00e4llig war. Seine Nachfolger standen ohne Pfarrhaus da. Nach langem Rechtsstreit, wer den Neubau bezahlen muss, die Dom\u00e4nenverwaltung als Rechtsnachfolgerin des Domkapitels oder die Gemeinde, einigte man sich in einem Vergleich, denn der Kirchenkasten war gut gef\u00fcllt. In den Jahren 1832-33 wurde der stattliche Neubau nach Pl\u00e4nen von Dombaumeister Faber errichtet. 100 Jahre sp\u00e4ter war die Pfarrstelle verwaist, das Pfarrhaus drohte HJ-Heim zu werden. Schnell erwirkte der Kirchenvorstand die Neubesetzung der Pfarrstelle durch Pfarrer Dietz.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In den \u00d6konomiegeb\u00e4uden des gro\u00dfen Kirchengutes wurde 1953 im \u00f6stlichen Fl\u00fcgel im Erdgeschoss der evangelische Kindergarten er\u00f6ffnet, seit 2019 im ganzen Haus untergebracht. Seit 1957 wird im 1. Stock des westlichen Fl\u00fcgels der &#8222;Bodelschwinghsaal&#8220; als Gemeindesaal genutzt. Nachdem diese Geb\u00e4ude k\u00fcrzlich umfassend renoviert worden sind, soll nun mit der Renovierung des Pfarrhauses begonnen werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bereits neben dem Pfarrhaus st\u00f6\u00dft man auf eine Sackgasse. Sackgassen, auch Eck genannt, sind typisch f\u00fcr die alte Bebauung von Nordenstadt. Oft befanden sich dort Handwerksbetriebe, wie Winfried M\u00fcller berichtete. Bei der Kirche war z.B. das Sattlereck. Da die Fachwerkbauten der Scheunen immer wieder durch Blitzeinschlag zerst\u00f6rt wurden, legte die Gemeinde Brandweiher an. Einer befand sich an der Ecke Heerstra\u00dfe\/Turmstra\u00dfe, einer an der Ecke Stolberger Stra\u00dfe\/Turmstra\u00dfe (Zisterne), der dritte an der Ecke Stolberger Stra\u00dfe\/Geisbergweg. Erst 1922 wurde die Freiwillige Feuerwehr Nordenstadt e.V. gegr\u00fcndet. Vorher musste aus jedem Haushalt eine Person beim Brandschutz mithelfen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">N\u00e4chste Station war eine Besonderheit in Nordenstadt: die Milchsammelstelle. Fr\u00fcher fuhren die Milchleute mit ihren Fuhrwerken die Milch zu ihren Kunden, oft Hotels, nach Wiesbaden. Ab 1934 (bis Mitte der 50er Jahre gab es in Nordenstadt Milcherzeugerbetriebe) wurde dann die Milch in der Milchsammelstelle abgegeben und von hier nach Wiesbaden gebracht. Meist wurden die jungen Leute geschickt, die Milch hier abzugeben. Es war also ein heimlicher Treffpunkt aber auch Ort f\u00fcr Schabernack. Zur Verdeutlichung der Bedeutung der Milchwirtschaft wurde aus einer amtlichen Z\u00e4hlung im Jahre 1900 zitiert: es gab in Nordenstadt 117 Pferde, 651 Rinder, 482 Schweine, 118 Ziegen und 2298 H\u00fchner.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein Schmuckst\u00fcck im alten Ortskern ist das Anwesen Heerstra\u00dfe 15, der Erbacher Hof (=Eberbacher Hof), denn das Anwesen geh\u00f6rte fr\u00fcher einmal zum Zisterzienserkloster Eberbach. Rainer Noll hat das geerbte Elternhaus liebevoll restauriert. Den Teilnehmern des Rundgangs \u00f6ffnete sein Bruder Werner Noll das Tor, so dass man die Schmuckfassade des Hauses von 1611, also vor dem 30j\u00e4hrigen Krieg, im Innern bewundern konnte. Das Torhaus wurde 1849 gebaut. Es gibt ein Kellergeschoss aus Stein mit Gew\u00f6lbekeller. Rainer Noll hat hier 23 Torhauskonzerte von 1990 bis 2011 veranstaltet. Er hatte die Besuchergruppe verpasst und kam hinterher noch dazu und verteilte schriftliche Erl\u00e4uterungen zu Geschichte und Restaurierung der Geb\u00e4ude.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Haus gegen\u00fcber in der Heerstra\u00dfe 28 gab Anlass, \u00fcber Nordenstadts Gastwirtschaften zu berichten. Nordenstadt war wegen seiner Gastst\u00e4tten und vor allem wegen des Apfelweins ein beliebter Ausflugsort der Wiesbadener Kurg\u00e4ste. Mit der Stra\u00dfenbahn fuhr man bis Erbenheim und dann ging es \u00fcber die Felder nach Nordenstadt. Der Besitzer der Heerstra\u00dfe 28, Philipp Heinrich Deul, stellte 1888 den Antrag bei der Gemeinde, eine Schankwirtschaft \u201eGasthaus zum Schwanen\u201c einzurichten. Ein Bedarf wurde mit 5 Gastst\u00e4tten bei 880 Einwohnern vom Gemeinderat zwar nicht gesehen, dem Anliegen aber stattgegeben. Hingewiesen wurde noch auf die folgenden Gastst\u00e4tten:<\/p>\n<ul style=\"text-align: justify;\">\n<li>in der Heerstra\u00dfe 8 gab es die Gastst\u00e4tte Brauhaus oder &#8222;Zur guten Herberge&#8220;,<\/li>\n<li>in Oberpfortstra\u00dfe 2, den \u201eFrankfurter Hof\u201c seit 1870 ununterbrochen in Familienbesitz in Betrieb<\/li>\n<li>in der Stolberger Stra\u00dfe 9 ehemals das \u201eGasthaus Rose\u201c,<\/li>\n<li>in der Stolberger Stra\u00dfe 20 die \u201eAlte Krone\u201c. Das Wirtshausschild von 1782 h\u00e4ngt im Nordenstadter Museum. Die Gastwirtschaft existierte bis in die 80er Jahre des 19. Jahrhunderts und wurde erst in den 90er Jahren des 20. Jahrhunderts wiederer\u00f6ffnet.<\/li>\n<li>in der Stolberger Stra\u00dfe 47\/49 die \u201eWirtschaft zum L\u00f6wen\u201c mit gro\u00dfem Saal im Obergeschoss. Tische und St\u00fchle dieser Gastst\u00e4tte befinden sich im Museum in der Gaststube.<\/li>\n<\/ul>\n<p style=\"text-align: justify;\">Au\u00dferhalb des Rundganggebiets gab es noch weitere Gastst\u00e4tten in Nordenstadt. In der Heerstra\u00dfe 5 war der Mittelb\u00e4cker, der Nolleb\u00e4cker Ecke Heerstra\u00dfe\/Friedhofstra\u00dfe und der Backesb\u00e4cker beim Rathaus<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das alte Rathaus wurde 1844 an der Stelle der Gemeindeschmiede erbaut und war bis 1973 Sitz der Verwaltung Nordenstadts. Es war Gemeinderatssitzungslokal, Wahllokal, Standesamt, Impflokal, Lebensmittelverteilungslokal w\u00e4hrend des Krieges. Oft wurden jedoch die eigentlichen Amtsgesch\u00e4fte vom jeweiligen B\u00fcrgermeister in seinem Wohnhaus get\u00e4tigt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im gro\u00dfen Saal wurden auch Kaisergeburtstagsfeiern, Sedanfeiern etc. abgehalten. Zeitweise fand auch eine Dependance der Schule Unterschlupf.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Rathaus beherbergte im r\u00fcckw\u00e4rtigen Teil das Backes (bis Umbau 1940).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hinter dem Rathaus, in der Rathauseck, standen die &#8222;Hirtenh\u00e4user&#8220; (bis 1957), auch Sch\u00e4fer- oder Armenh\u00e4user genannt. In diesen der Gemeinde geh\u00f6renden H\u00e4usern wohnten Menschen, die meist unverschuldet in Armut geraten waren, wie Kriegerwitwen mit ihren Kindern.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Platz vor dem Rathaus war der Festplatz des Dorfes, der Treffpunkt der Jugend. Hier stand die Gemeindewaage, seit der L\u00f6schteich unter die Erde verbannt wurde (1898). In sp\u00e4terer Zeit hielten hier die Werksbusse von Opel und Hoechst und seit Ende der 30er Jahre war hier die Haltestelle der Firma Sippel, die einen Linienverkehr von Wicker-Wallau nach Wiesbaden unterhielt. Vorher gab es nur die M\u00f6glichkeit an der Frankfurter Stra\u00dfe, beim Sch\u00fctzenhaus (genannt Spatzeflint) den Bus der Firma Runzheimer zu erreichen oder mit dem Fahrrad oder zu Fu\u00df nach Igstadt oder zur Stra\u00dfenbahn nach Erbenheim zu laufen, um nach Wiesbaden zu gelangen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Platz war auch Kerbeplatz und einer der Orte, an denen der Ortsdiener mit seiner Schelle wichtige Neuigkeiten oder amtliche Informationen verbreitete. Jetzt findet man auf diesem Platz das Mahnmal f\u00fcr die deportierten j\u00fcdischen Mitb\u00fcrgern und Mitb\u00fcrgerinnen Nordenstadts.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mitte des 18. Jh. lebten in Nordenstadt vier j\u00fcdische Familien, 1930 z\u00e4hlte man 15 Familien. Seit 1994 steht auf diesem Platz das Mahnmal mit 14 Stelen, die die Namen der j\u00fcdischen Mitb\u00fcrger tragen, die im Jahre 1942 von genau dieser Stelle aus deportiert wurden. 12 von ihnen wurden am 10. Juni deportiert. Zwei alte Leute, Clementine Sch\u00f6nfeld und Joseph Joseph blieben noch zur\u00fcck. Am 28. August wurden auch sie abgeholt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Vor den H\u00e4usern, die fr\u00fcher von j\u00fcdischen Familien bewohnt wurden, sind zur Erinnerung Stolpersteine gesetzt. Den Steinen f\u00fcr Leo, Frieda und Selma Ochs begegnen wir auf dem weiteren Rundgang in der Stolberger Stra\u00dfe, dem von Else Weis in der Turmstra\u00dfe. An Clementine und Benny Sch\u00f6nfeld, Irene, Ludwig und Paul Frank wird im Geisbergweg erinnert, an Selma Fried und Martha Schiffler in der Stolberger Stra\u00dfe. Weitere Gedenksteine sind in der R\u00fcsselgasse f\u00fcr Elise Weis, Joseph Joseph und Frieda und Sally L\u00f6wenstein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Turmstra\u00dfe 9 -11: Museum und Haus der Vereine<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Anwesen Turmstra\u00dfe 9- 11 geh\u00f6rte Christian Kern. Christian Kern war von 1924 bis 1945 B\u00fcrgermeister von Nordenstadt und hat im vorderen Teil des jetzigen Sonderausstellungsraums seine Amtsgesch\u00e4fte ausgef\u00fchrt. Alle Geb\u00e4ude sollten in den 80er Jahren Platz machen f\u00fcr einen Gr\u00fcnzug. Da das Haus zu den \u00e4ltesten in Nordenstadt (gebaut 1667) geh\u00f6rt, erhielt es Denkmalschutz. Die Stadt Wiesbaden hat es restaurieren lassen und der HWN 1995 als Museum \u00fcbergeben, das 1996 er\u00f6ffnet wurde. Die Wirtschaftsgeb\u00e4ude und Scheune des Anwesens wurden abgerissen und statt dessen in den Baugrenzen der abgerissenen Geb\u00e4ude ein Gemeinschaftszentrum f\u00fcr Nordenstadt gebaut. Dort hat das VBW seine Gesch\u00e4ftsstelle und etliche Vereine haben R\u00e4ume.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein Saal, ein Gruppenraum und ein Jugendraum befinden sich dort. Der Hof mit der Linde bietet nicht nur bei Hochzeiten ein sch\u00f6nes Ambiente, sondern wird von den Vereinen bei unterschiedlichen Veranstaltungen genutzt. Im Museum gibt es eine alte K\u00fcche, einen Tante-Emma-Laden, eine Gaststube und einen Raum f\u00fcr Sonderausstellungen im Erdgeschoss. Ein Fris\u00f6rsalon aus Wiesbaden, die Nordenstadter Schusterwerkstatt von Karl Zinn, die \u201eGut Stubb\u201c, ein b\u00fcrgerliches Wohnzimmer, das Trauzimmer ist ein Zimmer, in dem altes Spielzeug ausgestellt ist sowie auf dem Flur in Vitrinen Exponate aus Nordenstadt. Die Bilderwand dokumentiert z.B. fr\u00fcheres Familien- und Vereinsleben, Handwerk und Landwirtschaft und die Ver\u00e4nderung des Ortes im Stra\u00dfenbild. Neben der alten Hofreite befindet sich das alte Spritzenhaus. Es wurde 1877 von der Gemeinde Nordenstadt gebaut, denn Feuer blieb trotz der Brandweiher eine Bedrohung f\u00fcr Haus und Hof. Dort war die alte Spritze untergestellt, mit der effektiver gel\u00f6scht werden konnte. 1890 wurde der St\u00fcmpert, eine Arrestzelle angebaut. Sie hatte einen Ofen und wurde im Winter von den Nachtw\u00e4chtern zum Aufw\u00e4rmen genutzt. 1929 wurde der Bau nochmals erweitert, um Platz f\u00fcr einen Leichenwagen zu schaffen (bis 1964). Im Jahr 2000 hat die Historische Werkstatt Nordenstadt das Spritzenhaus \u00fcbernommen und restauriert. Es ist jetzt Teil des Museums mit Exponaten zu Feuerwehr, Landwirtschaft und Weinbau, sowie im St\u00fcmpert ein Quartier, das an die franz\u00f6sische Besatzung nach dem 1. Weltkrieg erinnert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zur Erl\u00e4uterung der Bedeutung der Landwirtschaft in Nordenstadt wurden Zahlen vom Obstanbau im Jahr 1900 zitiert: Es gab 5564 Apfelb\u00e4ume, 1028 Birnb\u00e4ume, 2131 Zwetschgenb\u00e4ume, 105 Kirschb\u00e4ume und au\u00dferdem Wingerte. 1958 wurde am westlichen Ortsrand eine Obstplantage mit 9300 Apfelb\u00e4umen angelegt, die 1994\/95 aufgegeben wurde. Wo jetzt der Hainweg gebaut wird, war die letzte ortsnahe Obstplantage von Kerns. Die Endpunkte des Rundgangs waren die Schule sowie das Gemeindezentrum. Wo jetzt das Schulkinderhaus f\u00fcr die Nachmittagsbetreuung der Nordenstadter Grundschulkinder steht (seit 2012), befand sich fr\u00fcher die alte Schule von Nordenstadt, eine Volksschule mit allen Jahrg\u00e4ngen.1825 wurde dieser Schulbau eingeweiht (abgerissen 1977\/78). Mit der wachsenden Gemeinde Nordenstadt wurden mehr Schulr\u00e4ume gebraucht, so dass 1961 die neue Pavillonschule er\u00f6ffnet wurde. Auch diese wurde schnell zu klein. 1981 konnten die Schulkinder in den jetzigen Bau umziehen, der nochmals erweitert in diesem Jahr mit weiteren 6 Klassenr\u00e4umen auch Platz f\u00fcr die Kinder aus dem Hainweg schafft.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch das alte Rathaus reichte l\u00e4ngst nicht mehr f\u00fcr die gr\u00f6\u00dfer gewordene Gemeinde aus. Im Oktober 1973 wurde der Neubau des Gemeindezentrums eingeweiht. Dort fand nicht nur die Ortsverwaltung ihre B\u00fcros, die Feuerwehr erhielt ausreichend Platz f\u00fcr Fahrzeuge und Schulungen, Arztpraxen, die Apotheke und die Sparkasse bildeten hier wie auch die Postfiliale ein Zentrum f\u00fcr Nordenstadt. Auch an Bedienstetenwohnungen hatte die Gemeinde gedacht. Mit einem gro\u00dfen Saal und Sitzungszimmer\/Seniorentreff konnten Vereine und B\u00fcrger hier feiern oder sich treffen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Gemeindezentrum entstand zwischen der alten Bebauung Nordenstadts und den ersten Geschosswohnungsbauten am Hessenring\/Horchheimer Stra\u00dfe. Auch die ersten Reihenh\u00e4user bei den Vogelwegen waren bereits bezogen. S\u00fcdlich der Kreisstra\u00dfe, heute Konrad-Zuse-Stra\u00dfe, und am Ostring waren neue Gewerbegebiete entstanden (Siemensstra\u00dfe\/Daimlerring).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Wie geht es weiter am Gemeindezentrum?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Ortsbeirat Nordenstadt hat am 1. Juli 2020 der Planung zugestimmt, dass Taunushalle, Ortsverwaltung, B\u00fcrgersaal und Feuerwehr auf dem Gel\u00e4nde der Taunushalle neu gebaut werden. Neue Bebauungspl\u00e4ne f\u00fcr beide Fl\u00e4chen sind erforderlich. Es ist gew\u00fcnscht, dass es beim Gemeindezentrum weiterhin Einrichtungen f\u00fcr die B\u00fcrger gibt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Norbert Fischer verabschiedete die Teilnehmer des Ortsrundgangs, dankte Gertrud Jensen f\u00fcr die Aufbereitung der Informationen und Winfried M\u00fcller und Werner Noll f\u00fcr ihre Erg\u00e4nzungen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nur ein Teil des jetzigen Ortes wurde angeschaut. Der sonst bei der HWN \u00fcbliche Abschluss eines Ortsrundgangs mit Apfelwein und Spundek\u00e4s mit Brezel konnte in Corona Zeiten nicht angeboten werden. Fortsetzung der Rundg\u00e4nge m\u00f6glich, es gibt noch viel \u00fcber Nordenstadt zu berichten. Dann aber bei w\u00e4rmeren Wetter, so dass alle durchhalten k\u00f6nnen!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gertrud Jensen<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-2200\" src=\"https:\/\/museum-nordenstadt.de\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/HOiN1-228x300.png\" alt=\"\" width=\"228\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/museum-nordenstadt.de\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/HOiN1-228x300.png 228w, https:\/\/museum-nordenstadt.de\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/HOiN1.png 354w\" sizes=\"auto, (max-width: 228px) 100vw, 228px\" \/> <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-2201\" src=\"https:\/\/museum-nordenstadt.de\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/HOiN2-229x300.png\" alt=\"\" width=\"229\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/museum-nordenstadt.de\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/HOiN2-229x300.png 229w, https:\/\/museum-nordenstadt.de\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/HOiN2.png 352w\" sizes=\"auto, (max-width: 229px) 100vw, 229px\" \/> <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-2202\" src=\"https:\/\/museum-nordenstadt.de\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/HOiN3.png\" alt=\"\" width=\"169\" height=\"150\" \/> <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-2203\" src=\"https:\/\/museum-nordenstadt.de\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/HOiN4-300x158.png\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"158\" srcset=\"https:\/\/museum-nordenstadt.de\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/HOiN4-300x158.png 300w, https:\/\/museum-nordenstadt.de\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/HOiN4.png 538w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/> <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-2204\" src=\"https:\/\/museum-nordenstadt.de\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/HOiN5-300x121.png\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"121\" srcset=\"https:\/\/museum-nordenstadt.de\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/HOiN5-300x121.png 300w, https:\/\/museum-nordenstadt.de\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/HOiN5-700x283.png 700w, https:\/\/museum-nordenstadt.de\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/HOiN5.png 725w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Historische Werkstatt Nordenstadt e.V. (HWN) hatte in Zusammenarbeit mit dem Volksbildungswerk Nordenstadt-Erbenheim-Delkenheim e.V. (VBW) am Samstag, dem 3. Oktober 2020, zu einem historischen Ortsrundgang in Nordenstadt eingeladen. Nicht nur Wissen &uuml;ber den alten Ort, sondern auch Hinweise &uuml;ber die Entwicklung der Gemeinde Nordenstadt zum Stadtteil von Wiesbaden sollten angesprochen werden. Der Vorsitzende der HWN [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":2205,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[192],"tags":[],"class_list":["post-2199","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-veroeffentlichung"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/museum-nordenstadt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2199","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/museum-nordenstadt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/museum-nordenstadt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/museum-nordenstadt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/museum-nordenstadt.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2199"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/museum-nordenstadt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2199\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2206,"href":"https:\/\/museum-nordenstadt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2199\/revisions\/2206"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/museum-nordenstadt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/2205"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/museum-nordenstadt.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2199"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/museum-nordenstadt.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=2199"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/museum-nordenstadt.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=2199"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}